Presse

Berliner Morgenpost
Freitag, 10. Februar 2012
Das Berliner Projekt "Erzählzeit" ist vom Bundesbildungsministerium als "Bildungsidee" ausgezeichnet worden. Von den 1300 Bildungsprojekten, die sich 2011 für den Wettbewerb "Ideen für die Bildungsrepublik" der Initiative "Deutschland - Land der Ideen" beworben hatten, wurden insgesamt 52 ausgewählt.
Schirmherrin des Wettbewerbs ist Bundesbildungsministerin Annette Schavan. "Erzählzeit" bietet seit 2008 unter anderem in Schulen, Kindergärten, Bibliotheken und im Märkischen Museum ein spezielles Erzähl-Programm an. Einmal in der Woche kommt einer der 15 Erzähler zu Besuch und erzählt ein neues Märchen. So sollen unter anderem die Erzähl- und Sprachkompetenz von Kindern gefördert werden. "Sprachbeherrschung stellt eine Schlüsselkompetenz dar, um aktiv am kulturellen und politischen Leben der Gesellschaft teilnehmen zu können" sagte Projektleiterin Sabine Kolbe bei der Verleihung in der Kinder- und Jugendbibliothek "Hallescher Komet" in Kreuzberg, wo für die "Erzählzeit"-Stunden eine echte mongolische Jurte zur Verfügung steht. Christoph Braß vom Bildungsministerium hebt die Vorbildfunktion hervor. "Wir wollen mit der Auszeichnung Projekte im Kampf gegen Bildungsarmut herausstellen. Sie sollen zur Nachahmung einladen."
Sowohl deutsch- als auch fremdsprachige Erzähler vermitteln Geschichten. So wird mit "Erzählzeit" die interkulturelle Idee hervorgehoben. Durch ähnliche Dramaturgie und Sprachmuster werden der Wiedererkennungswert gefördert und die Motivation, selbst Geschichten zu erzählen, gesteigert. "Das geschieht nicht im schulischen Kontext, sondern in einer kleinen Theatersituation", erklärt Sabine Kolbe. Initiiert wurde "Erzählzeit" von Kristin Wardetzky, emeritierte Professorin für Theaterpädagogik. "Sprache lässt sich über keine andere Methode besser vermitteln als über das lebendige Erzählen", sagt sie zum Konzept. Sie sei stolz, dass sich das Konzept inzwischen deutschlandweit verbreitet habe.

Pressemitteilung der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft
Berlin, den 09.02.2012
„ErzählZeit“ wird als Bildungsidee ausgezeichnet
Heute wird das Projekt „ErzählZeit“ im Rahmen des Wettbewerbs „Ideen für die Bildungsrepublik“ ausgezeichnet. Die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft fördert das Projekt seit 2008, bei dem professionelle Erzählerinnen und Erzähler Kitas und Schulen besuchen und über Zeiträume von mehreren Wochen bis zu einem Jahr Märchen aus verschiedenen Kulturen erzählen. Über 4.500 Kinder und Jugendliche lauschten den Erzählungen der „ErzählZeit“ seit Projektbeginn.

Mark Rackles, Staatssekretär für Bildung, würdigte auf der Preisverleihung das Enga-gement der Projektinitiatoren: „Erzählen können - das ist ein unverzichtbares Kapital im Bereich der kulturellen Bildung. Professionelle Erzählerinnen und Erzähler sind im Schulalltag ein ausgezeichnetes Sprachvorbild. Sie bringen in den Erfahrungsschatz der Kinder etwas ein, das ihnen häufig unvertraut ist: die Poesie des gesprochenen Wortes.“

„ErzählZeit“ ist auf Beteiligung und Mitwirkung ausgelegt und entwickelt Strukturen der Erzähl- und Zuhörkultur in den beteiligten Einrichtungen. Eltern und Lehrkräfte werden mit einbezogen. Die Erzählerinnen und Erzähler haben sich für Märchen aus verschiedenen Kulturen entschieden, weil diese leicht zugängliche Handlungsmuster und Figurenkonzeptionen beinhalten. Durch die literarische und verständliche Sprache bekommen die Kinder Zugang zu einer größeren Begriffswelt und lernen einen neuen Umgang mit Spra-che. Im laufenden Schuljahr nehmen 18 Grundschulen, 7 Kindergärten und 5 weiterführende Schulen an „ErzählZeit“ teil.

Die Senatsbildungsverwaltung beabsichtigt das Projekt „ErzählZeit“ mit 170.000 € in die Regelförderung aufzunehmen. 2007 erhielt „ErzählZeit“ den Sonderpreis im Rahmen des Wettbewerbs „Kinder zum Olymp“ (Wettbewerb der Kulturstiftung des Bundes und der Länder). 2011 wurde es beim bundesweiten Wettbewerb “Ideen für die Bildungsrepublik” unter 1.300 Bewerbern als eines von 52 Projekten als preiswürdige Bildungsidee ausgesucht und heute prämiert.

„ErzählZeit“ ist Teil des Rahmenkonzeptes Kulturelle Bildung. Das vom Senat entwickelte Konzept ist einerseits eine Bestandsaufnahme der zahlreichen kulturellen Angebote Berlins, bietet aber überdies insbesondere Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit, am kulturellen Geschehen teilzuhaben. Dabei geht es besonders um Vernetzung und Kooperation von Kulturschaffenden und Kulturinstitutionen und deren Einbeziehung in die Bildungsarbeit.

Redaktion: Beate Stoffers

 

Tagesspiegel vom 2.9.2008

Lebendiges Deutsch - Initiativen und Wettbewerbe rund ums Sprechen und Schreiben

"...Einen ganz anderen Ansatz verfolgt das Projekt "Erzählen in der Schule" des Vereins Erzählkunst rund um die ehemalige UdK-Professorin Kristin Wardetzky. Hier geht es darum, Grundschulkinder in benachteiligten Gegenden an eine bilderreiche und anspruchsvolle Sprache heranzuführen. Professionelle ErzählerInnen kommen in ausgewählte Schulen und erzählen Kindern Märchen aus verschiedenen Kulturkreisen - ohne Textvorlage, aber mit starken gestischen und mimischen Mitteln. Gerade hat der Verein aus dem Projektfonds Kulturelle Bildung 50 000 Euro erhalten und kann künftig in 10 Berliner Schulen Erzählprojekte durchführen. "Durch das aktive Zuhören erweitern sich die Fantasie und der Wortschatz der Kinder, gerade bei denjenigen, die zu Hause nicht mit der deutschen Sprache aufwachsen", sagt Kristin Wardetzky. "Sie werden selbst zu Erzählern und erfinden komplexe und berührende Geschichten." Lehrer und Lehrerinnen, die die Methode ausprobieren möchten, aber auch andere Interessierte können sich in einem einjährigen Kurs des Vereins in der Kunst des mündlichen Erzählens ausbilden lassen."