Stimmen

Am Ende des Schuljahres 2013/14 baten wir die Lehrerinnen, der im 6.ErzählZeit-Jahr beteiligten Schulen,  um eine Auswertung des Projekts. Die verbalen Äußerungen der Befragten, die sie auf dem Fragebogen vermerkten,  geben einen lebendigen Einblick in Erzählzeit und  bestätigen die  Wertschätzung, die das Projekt durch das Lehrpersonal erfährt. Hier eine kleine Auswahl aus dem Fragenkatalog:

Was bedeutet Ihnen die Erzählstunde im Rahmen der Unterrichtswoche?

Paul-Klee-GS: Für mich gehören die EZ-stunden zu den 'Highlights' der Schulwoche. Dies zum einen, weil es schön ist, die Begeisterung der kinder zu erleben und zu sehen, wie auch Kinder mit Konzentrationsproblemen teilweise mehr Aumerksamkeit aufbringen als im 'normalen' Unterricht. Außerdem habe ich selber viel Spaß an der Erzählweise und den Geschichten.

Neumark GS:
...eine Reise in verschiedene Geschichtswelten, spannend, packend, anschaulich mit viel Herzlichkeit und absolut gewinnbringend für die SchülerInnen.

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Was nehmen Sie während der Erzählstunden wahr? Was fällt Ihnen besonders auf?

Glaßbrenner GS:
Ich sehe, wie die Kinder in die Märchenwelt abtauchen und mitfühlen. Man sieht es an ihren Augen und 'offenen Mündern'. Kinder mögen es, wenn sie in das Geschehen mit einbezogen werden, also ein Teil der Geschichte werden. Sie brauchen Bewegung und Wiederholungen.

Bouchè GS: Alle Kinder freuen sich sehr auf die Märchenstunde. Mehr als im täglichen Unterreicht herrscht durchgängige Aufmerksamkeit. Sehr zurückhaltende Kinder tauen sichtlich auf.
Die hohe Konzentration, der gespannte Gesichtsausdruck der Kinder, das Miterleben der Geschichten durch sie, das völlige Dabeisein der meisten Kinder, die treffenden Kommentare, die von hoher Empathie und Phantasie zeugen.

Wie empfinden Sie die Auswahl der Märchen?

Ringelnatz GS:Ich finden die Auswahl sehr gelungen! gerade neue und unbekannte Märchen zu hören, ist toll!

Gesundbrunnen GS: ...sehr abwechslungsreich, ein gutes Maß an leichter Überforderung, sprachlich und bei der Komplexität der Erzählung. Die Kinder sind stolz, wenn ein Märchen aus ihrem Land / Kulturkreis erzählt wird.

GS am Wilhelmsberg: Mir hat die Auswahl sehr gefallen - eine gute Mischung aus Bekanntem (z.T. mit kleinen Varianten) und Neuem unter Einbeziehung auch auslänischer Märchen. Weiter so!

Welche Wirkung hat Erzählzeit auf Sie und Ihren Unterricht?

Glaßbrenner GS: Ich bemerke die gestiegene Zuhörfähigkeit und bei einigen Kindern auch die bessere Beherrschung der Vergangenheit.. Die Kinder freuen sich, wenn sie eine Geschichte kennen und selbstbewußt nacherzählen können. Das Erzählen von Geschichten in anderen Bereichen fällt den Schülern leichter.

GS am Wilhelmsberg: ...ganz besonders hilfreich war die ErzählZeit, wenn es darum ging, den Kindern verständlich zu machen, was es bedeutet, wenn in den Bereichen Lesen und Sprechen von Betonung und Gestaltung gesprochen wird. Das Vorbild der Märchenerzählerin half kindern bei eigenen Versuchen.

Beschreiben Sie eine besondere Situation einer Erzählstunde.

Carl-von-Linnè GS: besonders berührend: Wenn meine sprachbehinderten autistischen Schüler plötzlich engagiert ganze Märchenabschnitte nacherzählen, obwohl sie sonst kaum einen klaren Satz sprechen können. Die Tür geht unverhofft auf und das Ereignis wird (von der Erzählerin) in das Märchen eingebaut.

Erika Mann GS: Besonders gut hat den Kindern  'die Geschichte von der Rübe' gefallen, bei der alle aktiv mitmachen konnten. Auch der Besuch in der Erzähljurte hat sich ihnen strak eingeprägt und zum Erinnern der dort gehörten Geschichte beigetragen.

Paul-Klee-GS: In der Regel wissen die Kinder mehr Details als die Lehrer...Es beeindruckt mich, zu erleben, wie gerade sprachlich schwache Kinder plötzlich über sich hinauswachsen und Formulierungen benutzen, die sie kurz zuvor noch nicht kannten und ohne den ErzählZeit - Zusammenhang wohl so auch nicht verstanden hätten.

Bouchè GS: Junge mit ADHS 'hängt' von der ersten bis zur letzten Minute an den Lippen der Erzählerin, ohne zu zappeln und  abgelenkt zu sein. | Ein sehr lern - und sprachschwaches Mädchen hat eine überaus gelungene und durchdachte Geschichte selbst folgerichtig erzählt. Für mich sehr ergreifend!

Welche Erfahrungen mit der Erzählkunst waren für Sie wesentlich?

Erika Mann GS: Das Zusammenspiel von Sprache und minimalen Gesten sowie sehr wenigen Objekten. Durch das Schauspiel des Erzählers entsteht eine ganze Welt vor dem inneren Auge.

Ringelnatz GS: Wie wichtig der Einsatz von Mimik, Gestik, Pausen, Tonlage usw. ist und wie stark es sich vom meist üblichen Vorlesen abhebt. Um wieveil besser die Kinder beim Erzählen als beim Vorlesen zuhören und den Inhalt stärker verinnerlichen.

Bouchè GS: Fazit: wichtiges Projekt mit Menschen, die ihr "Handwerk" ( Mundwerk) gut verstehen, den Schulalltag reicher machen und den Kindern von disem reichtum etwas mitgeben, dass sich nicht statistisch messen lässt, aber unentbehrlich ist.

 

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In der Vorbereitungsphase des Pilotprojektes "Sprachlos?" in der Anna-Lindh-Schule erhielten wir in zahlreichen Briefen eine ideelle Unterstützung durch prominente Persönlichkeiten aus Politik, Wissenschaft und Kultur.

Bundespräsident a.D., Herr Richard v. Weizsäcker,: „beeindruckendes Projekt...Ohne das Erlernen der deutschen Sprache gibt es keine Integration für die Kinder der Einwanderer.“

Herr Prof. Hartmut v. Hentig: „Dass Ihre Gedanken zur Bedeutung des Erzählens in der Menschenbildung richtig und wichtig sind, können nur Esel bestreiten. Alle großen Pädagogen, auch alle Menschenfreunde und Aufklärer, haben sich der Erzählung und deren Wiedergabe als Mittel der geistigen Ordnung und seelischen Bereicherung bedient.“

Frau Prof. Edith Clever, Professorin an der Universität der Künste, Berlin,: „Was für eine großartige Idee – was für ein sinnvolles Projekt! Eine echte Möglichkeit, die Neugier der Kinder, ihre Phantasie und ihr ganzes Wesen anzusprechen und damit innigst zusammenhängend die Kunst an der Äußerung, ihre Sprachentwicklung zu fördern.“

Herr Dr. Michael Naumann, Herausgeber der Wochenzeitung „Die Zeit“,: „Ihr Projekt zur Sprachförderung von Migrantenkindern ist ebenso notwendig wie in seiner Planung überzeugend….von dem Glück, das es den Kindern bereitet ganz zu schweigen.“

Frau Prof. Dr. Gesine Schwan, Präsidentin der Europa-Universität Viadrina, Frankfurt/ Oder,: „Das Projekt…scheint mir ein neuer Ansatz zur Sprach- und Kulturvermittlung zu sein, der sich aber auf jahrhundertealte Traditionen bezieht, die in der Gesellschaft verloren gegangen sind und von den Familien nicht mehr wahrgenommen werden….Ein Erfolg dieses Modellversuches würde sicher zur Nachahmung anregen und damit Nachhaltigkeit gewährleisten.“

Herr Prof. Dr. Kaspar H. Spinner, Lehrstuhl für Didaktik der deutschen Sprache und Literatur in Augsburg,: „Einmalig ist die enge Verzahnung von praktischer Arbeit, Maßnahmen der Weiterbildung und wissenschaftlicher Begleitung auf einer fächerübergreifenden Grundlage. Aus Sicht der Schulpädagogik, der Kunstpädagogik und der Deutschdidaktik ist der sorgfältig und überzeugend geplante Berliner Modellversuch von höchstem Interesse.“